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Psalm 10

1. Warum, o HERR, bleibst du so ferne stehn,  / verhüllst dich in den Zeiten unsrer Not?  / Die Elenden in ihrem Leid vergehn,  / da sie des Frevlers Übermut bedroht.  / Mit seinen Ränken bringt er sie zu Tod.  / Er preist den Frevel, weil er Gott verachtet  / und nach Gewinn nur seine Habgier trachtet.

2. In seinem Stolz meint er, Gott frage nicht  / nach seiner Untat, und sein böser Sinn  / spricht kühn: Es ist kein Gott und kein Gericht,  / er ahndet’s nicht, ob ich auch ruchlos bin.  / So fährt er seinen krummen Weg dahin.  / Er sagt sich: Not und Unglück wird mich schonen,  / ich wanke nie, ich werde sicher wohnen!   

3. Voll Fluch sein Mund, voll Trug und voll Gewalt,  / in seinem Wort hält Unheil er versteckt.  / Er sitzt und späht aus seinem Hinterhalt,  / wie sich ein Löwe tief im Dickicht deckt,  / bis er den Armen fängt und niederstreckt.  / Er spricht voll Trotz: Mir wird schon nichts geschehen,  / Gott hat’s vergessen, wird es nimmer sehen.

4. Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand!  / Vergiss die Elenden und Schwachen nicht!  / Soll immerdar der Frevler Unverstand  / verachten deine Rechte, dein Gericht?  / Such heim den Bösen, dass sein Arm zerbricht!  / Du schaust die Not, du hörst der Waisen Klagen.  / Der Arme fleht! Beende seine Plagen!

5. Der HERR allein ist König allezeit.  / Die Völker konnten nicht vor ihm bestehn.  / Den Armen hast du, HERR, erhört im Leid  / und hast geneigt dein Ohr zu seinem Flehn.  / Der Waisen Elend hast du angesehn.  / Du schaffest Recht den Schwachen und Geringen.  / Des Frevlers Rat lässt nimmer du gelingen.  / Melodie: Straßburg-Genf 1542 / Genf 1551  / Text: Alfred Rauaus 1990


Dick Sanderman

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