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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Beichte

Die Beichte ist stark durch ein Klischee geprägt, das manche in katholischen Gemeinden noch erlebt haben, das uns aber vor allem in Filmen immer wieder vorgeführt wird: Jugendliche oder Erwachsene flüstern einem Geistlichen in einem Beichtstuhl persönliche Fehltritte – seltsamerweise in der Mehrzahl sexueller Art – ins Ohr. Diese Verzeichnung tut der Beichte Unrecht und blockiert ein entspanntes Verhältnis zu einem wichtigen Element unseres Lebens.

Über etwas reden zu können, das uns belastet, gehört zum wichtigsten, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Die Kirchengemeinden liegen mit ihrem Angebot der Seelsorge eigentlich im Trend. Jede Gesellschaft braucht solche Gelegenheiten und schafft sie auch in Form von Beratungsstellen, psychologischen und therapeutischen Angeboten.

Die Beichte könnte eine Renaissance erleben, wenn sie sich von Klischees befreit und als ein niedrigschwelliges Angebot sichtbar wird, das keine fertigen Antworten bereithält, sondern offene Ohren. Dazu braucht es freilich auch eine klare Definition: Die Beichte öffnet einen Weg, mit sich und Anderen gnädig umzugehen. Wenn die Bereitschaft da ist, über den Glauben zu reden, dann ist Gottes Gnade möglicherweise ein Anstoß, den Druck  aus den Konflikten zu nehmen und klarer zu sehen.


Georg Rieger
Opfer

In der religiösen Praxis spielt das Opfern zwar keine Rolle mehr, als Vorstellung ist es aber durchaus noch vorhanden. Jesus als Opferlamm kommt in vielen Passionsliedern vor und auch in manchen Predigten. Den Tod Jesu am Kreuz als Opfer zu bezeichnen, ist immer noch üblich. Allerdings funktioniert das Bild vermutlich in den Köpfen vieler Zuhörenden nicht mehr so richtig. Denn dazu gehört ja auch die Vorstellung eines Gottes, der ein Opfer will. Und das kommt uns seltsam vor.

Dass unsere Sünden vergolten werden müssen und Jesus das symbolische Opfer dafür sei, soll uns demütig machen. Doch es fällt uns instinktiv schwer, einen grausamen Tod dankbar anzunehmen. Auch das Argument, dieses sei das letzte Opfer gewesen, zieht nicht wirklich. Noch nie wurde eine Sache dadurch beendet, dass man sie noch einmal macht.

Vielmehr hat der Tod Jesu genau mit diesem Aufrechnen von Sünde und Vergeltung aufgeräumt und die bedingungslose Gnade Gottes sichtbar gemacht. Diese Diskussion findet sich schon im Alten Testament und ist bis heute nicht abgeschlossen. Immer wieder fallen wir Menschen in dieses Schema zurück. Es bleibt also eine Herausforderung, unser Verhältnis zu Gott und seines zu uns ohne Opfer zu denken.


Georg Rieger
Seligkeit „… dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss“, heißt es im Heidelberger Katechismus gleich auf die erste Frage nach dem Trost. So „bewahrt“ dürfen wir uns bei Gott wissen. 
Georg Rieger
Hölle

Die Hölle kann uns im Leben begegnen. Dann steht sie für Erlebnisse, die Menschen an die Grenzen des Erträglichen geführt hat. Grausamkeit, Not und tiefe Verzweiflung können höllisch werden. Gut, dass es dieses Wort gibt, das alles umschreibt, was vielleicht nicht schmerzlich noch einmal erzählt werden will.

Doch die Hölle als Institution hat eine weniger tröstliche Funktion, sondern eine, die Angst macht. Die Hölle ist nämlich der Ort, an dem die Strafen für das misslungene Leben verteilt werden. In vielen Religionen – interessanterweise aber nicht in allen – gibt es diesen Ort der Vergeltung. Alte Mythen überbieten sich in der Vorstellung von Foltermethoden und Todesarten.

In der Bibel kommt die Hölle nur an einigen Stellen vor und wird sehr unterschiedlich beschrieben. In der christlichen Tradition wurde sie dann allerdings umso kräftiger ausgemalt. Die Drohung mit der Hölle war ein geeignetes Machtinstrument und ging so weit, die „Hölle auf Erden“ als Chance zu verkaufen, der eigentlichen Hölle zu entgehen. Die Idee, dass sich Menschen aus Angst verantwortungsvoller verhalten, funktioniert schon deshalb nie, weil sich diejenigen, die wirklich Schlimmes anrichten können, irgendwie von dieser Angst freimachen können.

Von primitiven Höllenphantasien haben wir uns in der aufgeklärten Neuzeit verabschiedet. Aber haben wir das dahinterliegende Problem bewältigt? Wer eine Hölle braucht, kann sich Gnade nicht vorstellen. Oder umgekehrt: Wo Gnade geglaubt und gelebt wird, braucht es keine Hölle – weder die auf Erden, noch die im Jenseits. 


Georg Rieger