Was ist das?
Was ist das?
Umgangssprachlich benutzen wir den Begriff gerne für solche Bußen, die eigentlich banal sind: das zunehmende Körpergewicht, die Strafe fürs Zuschnellfahren oder den Kater am Morgen nach der Party. Dass bestimmte Fehlverhalten Folgen haben, hat aber mit Buße genau genommen wenig zu tun.
Denn Buße ist in der Sprache des Glaubens genau das Gegenteil, nämlich ein Bewusstwerden und eine Sinnesänderung: Mein Verhalten war oder ist nicht ok. Ich will etwas ändern und besser machen. Diese Bußfertigkeit kommt nicht automatisch und wird mir nicht auferlegt, sondern kommt aus mir selbst.
Auch bei dem, was Buße bewirkt, gibt es einen Unterschied: Die Diät kann gelingen, die Punkte in Flensburg werden wieder gelöscht und am nächsten Abend ist der Kopf wieder klar. Die selbsterkannte Schuld wird dagegen nicht getilgt, sondern von Gottes Gnade umfangen. Wir werden nie mehr unschuldig, aber können mit der Schuld leben. Jedenfalls, wenn wir dem Versprechen vertrauen, dass Gott uns nicht danach beurteilt, was wir meinen falsch gemacht zu haben.
Georg Rieger
Ist es nicht ein bisschen oberflächlich, sich die Erfüllung aller materiellen, kulinarischen oder sexuellen Wünsche vorzustellen, wenn es um das Paradies geht? Beschreibungen und Bilder gehen seltsamerweise oft in die Richtung, Völlerei, Prasserei und Männerphantasien mit dem Paradies in Verbindung zu bringen. An die biblische Vorlage halten sich die meisten Künstler nur beim Ort des Geschehens, der fast immer ein Garten ist.
Theologisch ist das Paradies der Zustand, in dem wir Menschen leben durften, bevor es zum Sündenfall kam, also eher ein Terminus für den guten Menschen in einer lebensfreundlichen Umwelt. Der Weg dahin zurück steht uns aber nicht offen – auch nicht über eine noch so große Anstrengung. Bleibt es also bloß eine Erinnerung daran, wo wir herkommen?
Gelegentlich, aber tatsächlich selten, wird das Paradies ernsthaft auch als Zukunftsoption oder als gegenwärtiger Ort erwähnt. Wir möchten ungern naiv genannt werden und überlassen das lieber den Herstellern von Bettwäsche oder den Anbietern von Pauschalreisen. Dabei gibt es durchaus Augenblicke, in denen in unserem Leben das Paradies aufscheint. Und in unserem Denken und Handeln haben wir natürlich vor Augen, wenigstens hin und wieder ein paar paradiesische Momente hinzubekommen.
Georg Rieger
Dass Gott die Welt geschaffen hat, ist kein bisschen weniger glaubhaft, seit wir Menschen viel über die Entstehung und Veränderung des Lebens und die Fliehkräfte des Alls erkannt haben. Ganz im Gegenteil: Je mehr wir wissen, desto mehr wird auch klar, was alles noch unerforscht ist, und dass die Zusammenhänge allen Lebens unfassbar komplex sind. Und wir Menschen sind nicht einmal im Ansatz fähig, Ähnliches zu schaffen.
Allein dieser Respekt vor unseren Lebensgrundlagen macht den Schöpfungsglauben kompatibel für alle Religionen. Und selbst Agnostiker finden ihn immerhin sympathisch. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, zur Bewahrung der Schöpfung politische Ziele zu formulieren oder gar eine umweltgerechte Lebensführung einzuüben. Ob es den Menschen überhaupt gelingen kann, die Schöpfung zu bewahren ist aber nicht nur eine politische, sondern auch eine theologische Frage.
Der Mensch hat den ökologischen Kreisläufen mit zunehmender Intelligenz immer weniger gutgetan. Die Auswirkungen unseres Lebens waren allerdings noch nie so zerstörerisch wie momentan. Diejenigen, die die Schöpfungsgeschichte aufgeschrieben haben, haben das Grundproblem bereits erkannt, dass der Mensch sich die Erde untertan macht. Wir Menschen können lediglich versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Die Schöpfung bewahren kann nur derjenige, der sie geschaffen hat.
Georg Rieger
Als Jesus durch Palästina lief, folgten ihm Menschen. Höchstwahrscheinlich mehr als nur die zwölf Jünger und ebenso wahrscheinlich auch Frauen. Diese physische Form der Nachfolge prägt auch den Begriff, der in Predigten verwendet wird. Wenn wir Jesus nachfolgen, sollen wir unser Leben verändern und auf seine Worte hören, wie die ersten, die das getan haben. Dieser Aufruf hinterlässt die meisten Zuhörenden allerdings ratlos. Was ist denn heute Nachfolge unter ganz anderen Bedingungen?
Der weltliche Gebrauch des Wortes hilft da möglicherweise weiter. Die Nachfolge meint hier eher so etwas wie die Übernahme eines Erbes oder die Weiterführung eines Geschäfts. Da ist eine Anpassung an die veränderten Gegebenheiten eingeschlossen.
Georg Rieger