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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Liturgie

Da es sich hier um eine reformierte App handelt, soll an dieser Stelle mit einem Vorurteil aufgeräumt werden, das den Evangelisch-Reformierten immer wieder entgegenschlägt: „Ihr habt ja keine Liturgie.“ Gemeint ist dann, dass in reformierten Gottesdiensten nur sehr wenige wiederkehrende Teile vorkommen und diese auch nicht gesungen werden.

Eigentlich umspannt der Begriff Liturgie aber den gesamten Gottesdienst und seinen Ablauf. Insofern kann es gar keinen Gottesdienst ohne Liturgie geben, weil auch Lesung und Predigt liturgische Teile sind.

Nicht nur in katholischen und lutherischen, sondern auch in den allermeisten Gottesdiensten anderer Religionen gibt es Bestanteile, die immer gleich gestaltet sind und deshalb auch Ritus genannt werden. Insofern fehlt in der reformierten Liturgie tatsächlich ein typisches Merkmal von Gottesdiensten. Ob die Gewichtung der Predigt das auszugleichen vermag, ist Geschmacksache. Die Abfolge von Liedern, Gebeten, Lesung und Predigt ist aber auch bei den Reformierten keineswegs beliebig, sondern wird den Pfarrer*innen von Synoden und Presbyterien vorgegeben, die diese beschließen.


Georg Rieger
Dogma

Als unumstößlich wahr geltende Glaubenssätze verbinden wir vornehmlich mit der katholischen Kirche, der Unfehlbarkeit des Papstes und dem Zölibat. Das ist ein bisschen unfair, weil zwar nicht alle Kirchen über so plakative und fragwürdige Dogmen verfügen, aber dennoch bestimmte Wahrheiten für nicht hinterfragbar erklären.

In manchen Fragen und Situationen ist es auch wichtig, klar Stellung zu beziehen. So war die Barmer Theologische Erklärung, in der im Dritten Reich gegen den Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten protestiert wurde, auch dogmatisch formuliert. Und die von den Vereinten Nationen erklärten weltweiten Menschenrechte sind ein politisches Dogma, das von den meisten Menschen begrüßt und ersehnt wird.

So unumstößlich ihr Anspruch ist, so weit sind Dogmen oft von der Realität entfernt. Und so sind sie im einen Fall ein erstrebenswertes aber weit entferntes Ziel und im anderen lässt sich mit ihnen leben, obwohl ihre Richtigkeit zweifelhaft ist.
Auch jeder Mensch trägt seine Dogmen mit sich herum. Von der Psychologie werden sie „Glaubenssätze“ genannt. Sie haben absolute Gültigkeit und leiten unser Handeln, ohne dass sie uns richtig bewusst sind. Nicht selten stehen sie uns im Weg, mit der Realität vernünftig umzugehen. Dann lohnt es sich hinzusehen und sie neu mit sich zu verhandeln. Ganz ohne geht es aber eben auch nicht.


Georg Rieger
Sünde

Seltsamerweise bewegen sich die meisten Vorstellungen von Sünde im sexuellen Bereich - selbst in vermeintlich aufgeklärten Zeiten. Der Begriff wird bis heute dazu missbraucht, Scham und Angst zu infizieren, um damit Verbote zu rechtfertigen und Macht auszuüben.

Auf der anderen Seite wird die Sünde gerne theologisch überhöht als ein Aufbegehren gegen Gott oder den Zustand der Gottesferne. Das ist zwar unbestritten, es entfremdet das Wort aber seiner wichtigsten und sehr verständlichen Bedeutung: Sünde ist das, was anderen Menschen, der Natur und nicht zuletzt uns selbst schadet.

Wenn wir nicht aus Liebe handeln, sind wir der Sünde schon recht nahe. Doch die Grenze lässt sich nicht in einfache Regeln fassen, wie das immer wieder versucht wird. Deshalb können wir in unserem Leben nicht ohne Sünde bleiben. Wir sind ihr aber auch nicht machtlos ausgeliefert, sondern können in jeder Lebenslage so umsichtig und achtsam sein wie möglich. Dann wird möglicherweise auch die Nähe Gottes spürbar.


Georg Rieger
Liebe

Was die Liebe ist, ist wohl eine der spannendsten Fragen der Menschheit. Die höchsten Sphären des Glücks verbinden wir mit ihr, aber auch die schmerzhaftesten Momente unseres Lebens. Wir machen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit diesem Gefühl – unter anderem die, dass die Liebe viel mehr ist als ein Gefühl. Sie greift tief in unser Leben ein und ist eine der kräftigsten Antriebe für unser Verhalten. Allerdings wird sie – zumindest der Begriff – auch oft verwechselt, missverstanden und auch missbraucht.

Wenn wir über Gottes Liebe sprechen, können wir das nur in Analogien. Die Vergleiche zu unserer menschlichen Liebe hinken aber. Als Glaubende gehen wir davon aus, dass Gott das mit der Liebe in eben jener Perfektion beherrscht, die uns abgeht. Selbst Eltern wissen nicht immer wirklich, was für ihre Kinder gut ist.

In der Bibel kommt das Wort Liebe gar nicht so häufig vor. Allerdings ist die Hinwendung Gottes zu uns Menschen das eigentliche Thema der Heiligen Schrift. Und der Glaube ist nichts Anderes als die Wahrnehmung eben dieser Liebe als Geschenk. Schwierig ist es trotzdem, weil wir diese Zuwendung oft genug auch als Zumutung erleben. Es bleibt nichts als das Vertrauen darauf, dass seine Liebe umfassend ist – auch wenn wir ihn nicht in jedem Moment als „lieben Gott“ erleben.


Georg Rieger