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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Engel

Unvergessen ist, wie Bruno Ganz in „Der Himmel über Berlin“ einen Engel spielte. Zunächst ist er nur zu hören, dann sitzt er mit Flügeln in luftiger Höhe und kommt der Erde und der Welt immer näher. Erst betrachtet er die Erde von oben, dann spürt er das Gewicht des Lebens und schließlich wird er ein Mensch, weil er sich in eine Frau und in das Leben verliebt. Der große Verdienst des Films ist, dass er einen ungewöhnlichen Zugang zum Thema Engel geschaffen hat. 

Engel sind der Mythologie nach eine Art Zwischenwesen: Sie werden von Gott geschickt, um in den Lauf der Welt oder einzelner Schicksale einzugreifen. Auch in der Bibel kommen immer wieder Engel vor, wenn bestimmten Geschehnissen Bedeutung verliehen werden soll. In den Geschichten, in denen die Beteiligten die Engel sofort erkannt haben wollen, handelt es sich aber wohl um nachträgliche Deutungen. 

Ein Merkmal der Engel ist nämlich, dass sie ihre menschliche Gestalt nutzen, um unerkannt zu bleiben. Die Frage, ob es sie wirklich gibt, ist also nicht relevant. Wenn wir das Gefühl haben, es begegne uns ein Mensch wie ein Zeichen Gottes, dann dürfen wir sie oder ihn einen Engel nennen.


Georg Rieger
Gebet

Wenn wir im Gottesdienst beten, vollziehen wir etwas sehr Schwieriges. Was ansonsten eine sehr persönliche Angelegenheit ist, sprechen die Liturg*innen für alle aus. Da liegen viele Fallstricke aus: In manchen Gebeten werden die Gottesdienstbesucher*innen in Gemütszustände hineingezogen, mit Schuldeingeständnissen überrumpelt oder zu Bekenntnissen genötigt. Die Formulierung eines gottesdienstlichen Gebets ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Was das persönliche Gebet angeht, gibt es eine riesige Bandbreite von Formen und Verständnissen: Manche führen regelrechte Gespräche mit Gott und hören sogar eine Stimme, die ihnen etwas antwortet. Andere verstehen das Gebet als Moment einer Selbstreflexion, die sonst im Leben keinen Platz findet. Richtiges und falsches Beten gibt es nicht. Auch über die Regelmäßigkeit gibt es verschiedene Auffassungen, die alle etwas für sich haben. 

Dass Gott ansprechbar ist, unterscheidet ihn nicht von anderen Göttern oder Götzen. Möglicherweise gibt es aber einen Unterschied bei der Art der Ansprache. Schon in der Bibel – und gerade in den ältesten Texten – ist die Bandbreite enorm. Gott hört sich vom überschwänglichen Dank bis zur verzweifelten Klage alles an - sogar wütende Beschwerden und Beschimpfungen. Formvollendete Ehrerbietung ist dagegen selten, und wenn, dann offenbar mehr ein menschliches Bedürfnis als eine Zugangsvoraussetzung. Das offene Ohr und das bedingungslose Vertrauen, das Gott den Betenden schenkt, scheint das wichtigste zu sein, was zum Beten einlädt.


Georg Rieger
Teufel

Helles Entsetzen erntet man bei manchen Glaubensrichtungen mit dem Bekenntnis, nicht an den Teufel zu glauben. Die Existenz des Gegenspielers zu leugnen kommt in solchen Kreisen einem Verrat an Gott gleich. Diese Haltung mag zwar befremdlich klingen, war aber lange Zeit sehr weit verbreitet. Und sie ist es überall da noch bis heute, wo eine scharfe Unterscheidung von Gutem und Bösem zum Weltbild gehört. So wie das Gute in Gott personifiziert wird, kann das auch mit dem Bösen gemacht werden.

Wie so oft steckt dahinter der Versuch, sich die Unterscheidung von Gut und Böse verfügbar zu machen. Denn diese von ihrem festen Glauben überzeugten Menschen wissen genau, was von Gott kommt und was vom Teufel und deshalb auch, wer Gottes Kind und wer des Teufels ist. Alles spielt sich zwischen diesen beiden Seiten ab und mit einem erstaunlich detailreichen Wissen darüber, was Gott will und macht.

Dass wir Menschen dem Bösen einen Namen geben wollen, ist verständlich und auch unproblematisch, solange damit keine Zuordnungen begründet werden. In den meisten Situationen sehen wir allerdings viele Grautöne und nicht nur Schwarz und Weiß. Und im Nachhinein stellt sich oft heraus, dass Schlechtes sich zum Guten gewendet hat und vermeintlich böse Menschen doch ganz ok sind. Warum soll es also einen Teufel geben?


Georg Rieger
Ethik

Moral und Ethik haben das gleiche Ziel, nämlich den Menschen zu einem guten Handeln zu bewegen. Ziemlich unterschiedlich ist allerdings die Zugangs- und Vorgehensweise: Während die Moral auf einen gemeinsamen Nenner drängt, hinterfragt die Ethik die vorherrschenden Vorstellungen und sucht nach Argumenten. Ethik ist eine Wissenschaft und lässt sich so wenig wie möglich von Meinungen beeinflussen.

Allerdings gibt es innerhalb der philosophischen Ethik Unterschiede bei der Bestimmung des Ziels: Wann ist der Zustand erreicht, auf den gutes Handeln zuarbeitet? Wann ist der Mensch glücklich? Gibt es da nicht doch wieder sehr unterschiedliche Vorstellungen, die die Diskussion erschweren? Auch die theologische Ethik kann keine eindeutige Antwort geben, weil Gott sich nicht in die Karten schauen lässt, wie er sich den perfekten Menschen vorstellt.

Der in Kreisen der Ethiker nicht sonderlich beachtete Heidelberger Katechismus schlägt einen interessanten Perspektivwechsel vor: Warum das Handeln an einem Ziel ausrichten und nicht am Ursprung? „Wir sollen gute Werke tun, (…) damit wir mit unserem ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erweisen …“ (Frage 86). 

Gutes Handeln aus Dankbarkeit ist schon deshalb ein interessanter Ansatz für die Ethik, weil es den Menschen demütig macht und von der niemals konsensfähigen Frage nach dem Ziel ablenkt. Was bleibt, ist die Arbeit an der Frage, was zu tun ist. Das müssen auch dankbare Menschen immer wieder ausloten, abwägen und nochmal hinterfragen.


Georg Rieger