Was ist das?
Was ist das?
Als Jesus durch Palästina lief, folgten ihm Menschen. Höchstwahrscheinlich mehr als nur die zwölf Jünger und ebenso wahrscheinlich auch Frauen. Diese physische Form der Nachfolge prägt auch den Begriff, der in Predigten verwendet wird. Wenn wir Jesus nachfolgen, sollen wir unser Leben verändern und auf seine Worte hören, wie die ersten, die das getan haben. Dieser Aufruf hinterlässt die meisten Zuhörenden allerdings ratlos. Was ist denn heute Nachfolge unter ganz anderen Bedingungen?
Der weltliche Gebrauch des Wortes hilft da möglicherweise weiter. Die Nachfolge meint hier eher so etwas wie die Übernahme eines Erbes oder die Weiterführung eines Geschäfts. Da ist eine Anpassung an die veränderten Gegebenheiten eingeschlossen.
Georg Rieger
Der Begriff ist interessanterweise in den profanen – also nicht-religiösen – Sprachgebrauch übernommen worden. Gebäude und Brücken und vieles anderes mehr, das zur öffentlichen Nutzung freigegeben werden soll, werden eingeweiht. So wird es genannt, auch wenn kein Priester dabei ist und nur ein Verkehrsminister ein Band durchschneidet.
Ein Teil der Bedeutung wird damit auch erfüllt. Mit der Weihe verändert sich der Status. Aus einer Baustelle wird eine Umgehungsstraße, aus den Bauteilen eines Windrads eine Energiequelle. Allerdings ist der eigentliche Sinn einer Weihe, Dingen oder Personen eine besondere und religiöse Aufgabe zuzuschreiben. Eine katholische Kirche ist zum Beispiel bis zu ihrer Weihe ein profanes Gebäude und kann es später auch wieder werden, wenn sie entweiht wird.
Die Weihe von Personen in bestimmte Ämter hinein soll aus ihnen besondere Menschen machen, die sich an Regeln halten und Vorbilder sind. Mehr noch: Sie repräsentieren ein Stück weit das Göttliche, in dessen Namen die Weihehandlung vollzogen wird. Dieser hohe Anspruch ist freilich dann ein Problem, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden können. Es ist auch fraglich, ob die Ordination in ein Amt wirklich die Motivation für die damit verbundene Aufgabe zu beeinflussen vermag oder ob dafür nicht andere Faktoren wesentlich wichtiger sind.
Georg Rieger
Wenn mir etwas heilig ist, will ich es nicht hergeben. Im Alltag fällt das Wort schon mal beim Aufräumen. Ansonsten, sagen Kulturpessimisten, dass der modernen Gesellschaft nichts mehr heilig ist. Tatsächlich scheint es so, dass unser rationales Denken immer mehr Geheimnisse lüftet und der Platz immer enger wird, an dem sich etwas Heiliges halten kann.
Nun können wir Menschen anderseits ganz offensichtlich nicht immer vernünftig und berechnend sein, sondern bewerten manche Dinge stärker als andere. Das gibt uns persönlich Halt und verbindet uns auch miteinander. So wie es nämlich persönliche Heiligkeiten gibt, werden auch von Gruppen, Nationen und Religionen bestimmte Dinge zu Heiligtümern erklärt.
Entscheidend ist, wie die Heiligkeit ausgestaltet wird. Eine Möglichkeit der Heiligsprechung ist nämlich, Menschen oder Ideale von anderen abzuheben und sich mit ihrer Hilfe abzugrenzen. Das führt leicht zur Überheblichkeit. Heiligkeit kann aber auch etwas Einladendes haben. Jede und jeder kann sich an Heiligem freuen und das Besondere bewundern. Solche Heiligkeit muss sich durch kritisches Nachfragen nicht bedroht fühlen. Vielleicht sehen wir sie sogar selbst mit einem gewissen Augenzwinkern.
Georg Rieger
Die Beichte ist stark durch ein Klischee geprägt, das manche in katholischen Gemeinden noch erlebt haben, das uns aber vor allem in Filmen immer wieder vorgeführt wird: Jugendliche oder Erwachsene flüstern einem Geistlichen in einem Beichtstuhl persönliche Fehltritte – seltsamerweise in der Mehrzahl sexueller Art – ins Ohr. Diese Verzeichnung tut der Beichte Unrecht und blockiert ein entspanntes Verhältnis zu einem wichtigen Element unseres Lebens.
Über etwas reden zu können, das uns belastet, gehört zum wichtigsten, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Die Kirchengemeinden liegen mit ihrem Angebot der Seelsorge eigentlich im Trend. Jede Gesellschaft braucht solche Gelegenheiten und schafft sie auch in Form von Beratungsstellen, psychologischen und therapeutischen Angeboten.
Die Beichte könnte eine Renaissance erleben, wenn sie sich von Klischees befreit und als ein niedrigschwelliges Angebot sichtbar wird, das keine fertigen Antworten bereithält, sondern offene Ohren. Dazu braucht es freilich auch eine klare Definition: Die Beichte öffnet einen Weg, mit sich und Anderen gnädig umzugehen. Wenn die Bereitschaft da ist, über den Glauben zu reden, dann ist Gottes Gnade möglicherweise ein Anstoß, den Druck aus den Konflikten zu nehmen und klarer zu sehen.
Georg Rieger