Buße
Umgangssprachlich benutzen wir den Begriff gerne für solche Bußen, die eigentlich banal sind: das zunehmende Körpergewicht, die Strafe fürs Zuschnellfahren oder den Kater am Morgen nach der Party. Dass bestimmte Fehlverhalten Folgen haben, hat aber mit Buße genau genommen wenig zu tun.
Denn Buße ist in der Sprache des Glaubens genau das Gegenteil, nämlich ein Bewusstwerden und eine Sinnesänderung: Mein Verhalten war oder ist nicht ok. Ich will etwas ändern und besser machen. Diese Bußfertigkeit kommt nicht automatisch und wird mir nicht auferlegt, sondern kommt aus mir selbst.
Auch bei dem, was Buße bewirkt, gibt es einen Unterschied: Die Diät kann gelingen, die Punkte in Flensburg werden wieder gelöscht und am nächsten Abend ist der Kopf wieder klar. Die selbsterkannte Schuld wird dagegen nicht getilgt, sondern von Gottes Gnade umfangen. Wir werden nie mehr unschuldig, aber können mit der Schuld leben. Jedenfalls, wenn wir dem Versprechen vertrauen, dass Gott uns nicht danach beurteilt, was wir meinen falsch gemacht zu haben.
Georg Rieger