Provokation

Herausforderung

Absurdes und Nachdenkenswertes aus den sozialen Medien kommentiert von Georg Rieger

Furchtbarer Wahnsinn

»Wir können in diesem ganzen Machtkampf nur einen furchtbaren Wahnsinn erblicken, und darum können wir weder der einen noch der anderen Partei einfach den Sieg wünschen, denn wenn jetzt eine der beiden Parteien siegen sollte, dann wird dadurch die Selbstsucht und der Hochmut, die an allem Unheil schuld sind, nicht gebrochen, sondern erst recht gestärkt werden. Auf Seiten der Sieger wird dann der Übermut und auf Seiten der Besiegten die trotzige Rachsucht Platz greifen« (Karl Barth, Predigt zu Jes 30,15, in: Predigten 1914, GA I.5, 448f).


Karl Barth, Predigt zu Jes 30,15, in: Predigten 1914, GA I.5, 448f
Unabwaschbar »Der Rhein wird es nicht abwaschen, dass wir [Schweizer] an die 100.000 Flüchtlinge zurückgewiesen haben, dass die Behandlung der Aufgenommenen unwürdig war, dass man Gesinnungsopfer als lästig empfand und deutsche Kommunisten in Zuchthaus steckte.«
Karl Barth, Unser Malaise muss fruchtbar werden, in: Weltwoche, 21.12.1945
Schwindelhafte Hölle »Ja, es war (...) das Ende eines verlogenen, innerlich unmöglichen Friedens, das Ende eines Wohlbehagens, das sich stolz Kultur nannte und das doch auf eine ganze Hölle von Unwahrheit und Unrecht gebaut war. Das Ende eines Theaterstücks, europäische Zivilisation geheißen, das längst nur noch die Toren ernst genommen hatten. (...) Es kam eine Zeit, und sie ist noch nicht vorbei, die es mit furchtbarer Ehrlichkeit an den Tag gebracht hat, was der Mensch eigentlich ist. Es kam die Zeit, wo aus der ganzen schwindelhaften Hölle von Moral und Fortschritt und Idealen die Grundsätze: Jeder ist sich selbst der Nächste! (…) hervortraten als der rohe Sinn des Menschenlebens in einer Weise, daß auch der zuversichtlichste Bürger etwas merken mußte.«
Karl Barth, Predigt zu Mt 7,24-27, in: Predigten 1915 (GA I.27), 304f
Totalschaden »Rußland und Amerika: beide, wenn auch in sehr verschiedener Weise Kinder des alten Europas, beide entlaufene, oder schöner gesagt: mündig gewordene Kinder dieser Mutter, beide – erst in aller Stille und dann sehr plötzlich – zu Riesen ausgewachsen und nun beide, wenn auch unter sich konkurrierend, darin einig, daß eben sie – jeder dieser Riesen sagt das von sich! – jenes alten Europas und damit des übrigen Globus Lehrer, Gönner, Beschützer, Wohltäter – oder sagen wir es deutlicher: Herren sein möchten.« (
Karl Barth, Die Kirche zwischen Ost und West (1949), in: Der Götze wackelt, Berlin ²1964, 126f
Corona-Diktatur "Daß man in einer Demokratie zur Hölle fahren und unter einer Pöbelherrschaft oder Diktatur selig werden kann, das ist wahr. Es ist aber nicht wahr, daß man als Christ ebenso ernstlich die Pöbelherrschaft oder die Diktatur bejahen, wollen, erstreben kann wie die Demokratie."
Karl Barth, Rechtfertigung und Recht (1938), in:Eine Schweizer Stimme: 1938-1945, 53
Gottesbeweis »I could add to this indication a thing I have seen the last two Sundays here in Chicago, visiting a service in a church in which Negroes and Whites sat peacefully together, worshiped, heard the Word of God, sang, and prayed together. White men and black men! — a fact, an external structure of the cosmos — and in this case, we may say a remarkable proof of the existence of God«
Karl Barth, Podiumsdiskussion in Chicago (1962), in: Gespräche 1959-1962 (GA IV.25), 463
Aufgeblasen »Es ist manchmal zum Greifen deutlich vor unseren Augen, wie eine solche Macht, ein solches Reich des Geschwätzes, des Diebstahls und der Bitterkeit zwar gestern noch mächtig und aufgeblasen dastand und alles fressen wollte, heute schon ganz merklich zusammenschrumpft wie ein müde gewordener Meßballon, und wer weiß, ob es übermorgen nicht heißen wird: ›ihre Stätte kennet sie nicht mehr‹ [Ps 103,16]?«
Karl Barth, Predigt zu Eph 4,21b-32 (1943), in: Predigten 1935-1952 (GA I.26), 286f
Zweite Welle »Was uns als Kameradschaft in diesen Jahren gewissermaßen automatisch zugewachsen ist, das darf nun nicht wieder absterben, das muß nun weiter wachsen. Der Neuaufbau wäre offenbar sofort gefährdet, wenn wir in dieser Hinsicht zurück statt vorwärts gingen. Wir werden es uns nicht mehr erlauben können, die Freiheit aufs neue darin zu sehen und zu suchen, daß ein Jeder möglichst unbekümmert seiner Wege geht. Wir sollten einer Freiheit, für die wir so oder so gestraft worden sind, an der wir beinahe zugrunde gegangen wären, nicht nachtrauern, geschweige denn, daß es sinnvoll wäre, sie wieder herstellen zu wollen.«
Karl Barth, Die geistigen Voraussetzungen für den Neuaufbau in der Nachkriegszeit (1945), in: Eine Schweizer Stimme: 1938-1945, 426
Jedem seine Zeit »Ja, es hatten Alle ihre Zeit: der Engländer mit seinem Weltreich, der Franzose mit seiner großen Nation, der Hitler mit seinem tausendjährigen Reich, der Amerikaner, der die ganze Welt kaufen wollte, der Russe mit seinem Weltkommunismus, der Ungar mit seinem stolzen Heldenmut und so auch der Schweizer mit seiner großen Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit. Alle hatten ihre Zeit. Die Stunde schlägt, die alte ist vorbei, eine neue hat begonnen. Sie ist vorbei. Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.«
Karl Barth, Predigt zu Mk1,14-15 (1956), in: Predigten 1954-1967 (GA I,12), 67
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