Provokation

Herausforderung

Absurdes und Nachdenkenswertes aus den sozialen Medien kommentiert von Georg Rieger

Thüringer Urnengang »Oder erinnert euch an gewisse Wahlen dieses Jahres. Was war das zuerst für ein Treiben mit Zeitungsinseraten, Herumlaufen, Intrigieren vorne- und hintenherum, was für Kniffe und Pfiffe sind da angewendet worden, und wie hat es sich nachher gezeigt, dass die große Menge gar nicht daran denkt, nach Verstand und Gewissen zu wählen, dass sie stimmt, wie ein paar Tonangeber es von ihr verlangen oder wie sie es aus jämmerlicher Furcht, ihre Stimmabgabe könnte bekannt werden, nicht anders tun durften! Das alles sind Dinge, die in eine Demokratie, d. h. in einen Staat, in dem Jeder mit persönlicher Verantwortlichkeit am Staatsleben beteiligt ist, schlechterdings nicht passen.« (Karl Barth, Predigt zu Psalm 62,12, in: Predigten 1913 (GA I.8), 484)
7 Wochen ohne
Holger Pyka
Schöpfungsgebot »Wer sich willentlich (...) an Nahrung und Schlaf das Nötige abbricht, der wird, wie er sich auch im Übrigen rechtfertigen mag, nicht nur zu bedenken haben, ob er das kann, sondern auch, ob er das darf? Und wer theoretisch oder praktisch die große, besonders in der Religionsgeschichte so oft verwirklichte Möglichkeit des freiwilligen Zölibates bejaht, der wird, auch wenn er solches um des Himmelsreiches willen tut, sich der Frage nicht entziehen dürfen (...), wie sich solche arbiträre Nicht-Betätigung des Geschlechtsbedürfnisses nun eigentlich zu dem Schöpfungsgebot des menschlichen Lebens, in das doch auch dieses Bedürfnis eingeschlossen ist, verhalten möchte.« (Karl Barth, Ethik I (1928), in: GA II.2, 213f)
Immun »Sein primitivstes Werk ist des Menschen Versuch, sich dem ihm gesagten Wort der Wahrheit gegenüber indifferent zu stellen, zu tun, als wäre nichts geschehen, dem Vogel Strauße gleich seinen Kopf in den Sand zu stecken. Sein schon raffinierteres Werk ist des Menschen Kunst, sich diesem Wort gegenüber durch den Entwurf seiner Weltanschauungen ein scheinbar wasserdichtes Alibi zu verschaffen. Sein höchstes und gefährlichstes Werk ist des Menschen Unternehmen, dieses Wort dadurch zu immunisieren, daß er sich, um sich ihm desto sicherer zu entziehen, als dessen christlich gläubiger Anhänger, Bekenner und Verkündiger ausgibt.« (Karl Barth, KD IV/3, 299)
Desinfektion
Holger Pyka
Er gewinnt's schließlich »Es kam mir alles einen Moment lang wie eine Komödie vor, dann aber wußte ich wieder, wie es steht: das Leben dieser guten Leute ist wie auch das unsrige ein kurzes, seltsames und törichtes Versteckspiel vor Gott, aber der große Trost ist: Er gewinnts schließlich.« (Karl Barth, Brief an E.Thurneysen vom 7.1.1916, in: GA V.3, 123)
Google-Predigten
Holger Pyka
Tor »Oder woher kommt es denn, daß ein vorsichtiger und umsichtiger Mann drohenden Gefahren zu entgehen weiß, ein Tor aber in seiner Unbesonnenheit zu Grunde geht, woher kommt es, wenn nicht daher, daß auch Dummheit und Klugheit Instrumente der göttlichen Weltordnung sind im einen oder im andern Sinn? Gott wollte, daß uns die Zukunft dunkel sei, damit wir den Dingen entgegengingen, als wären sie noch zweifelhaft.« (Karl Barth, Gott lenkt und der Mensch soll denken! Aus Calvins Institutio (1559), 1911, in: GA III.22, 264)
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