Bibel
Durchgehende Lesung biblischer Bücher
Matthäus 22,2-14
Das Reich der Himmel
Ein König gab für seinen Sohn ein Hochzeitsfest und schickte Knechte aus, um die Gäste zur Feier zu laden. Aber die Gäste wollten nicht kommen. Da schickte der König andere Knechte und trug ihnen auf: ‘Sagt den Gästen: Die Vorbereitung ist fertig, ich habe Ochsen und gemästete Kälber geschlachtet, es ist alles bereit, kommt also zum Fest!’ Aber die Gäste kümmerten sich nicht darum: Der eine ging auf sein Feld, der andere in sein Geschäft, und wieder andere ergriffen die Knechte, verspotteten sie und brachten sie um. Als der König das hörte, wurde er zornig und schickte ein Heer aus, um die Mörder zu töten und ihre Stadt zu zerstören. Dann sagte er zu seinen Knechten: ‘Das Hochzeitsmahl ist bereit, aber die Gäste verdienten es nicht. Auf! Geht zum Stadtrand, stellt euch an den Weg und ladet zum Hochzeitsfest ein, wen immer ihr findet!’ Da gingen die Knechte hinaus auf die Strassen und brachten mit, wen sie fanden: Böse und Gute. Und der Hochzeitssaal wurde voll: Gäste allüberall! Als der König eintrat, um sie zu sehen, erblickte er einen Mann, der kein Festkleid trug. ‘Freund’, sagte er zu ihm, ‘wie bist du hier hereingekommen – ohne festliches Gewand?’ Da verstummte der Mann. Der König aber sagte zu seinen Dienern: ‘Bindet ihm Hände und Füsse und werft ihn ins Dunkel hinaus: Dort mag er mit den Zähnen knirschen und heulen!’ Denn es sind viele geladen, doch nur wenige sind auserwählt.
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,45-22,1
Als die Grossen Priester und Pharisäer diese Gleichnisse hörten, erkannten sie, dass er von ihnen sprach, und wollten ihn festnehmen lassen, aber sie fürchteten sich vor dem Volk. Denn das Volk hielt Jesus für einen Propheten. Und wieder sprach er in Bildern und legte Gleichnisse aus.
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,42-44
Da sagte Jesus zu ihnen: «Habt ihr nie in den Schriften gelesen: Der Stein, / den die Maurer verwerfen, / der wertlose Stein / ist zum Grundstein geworden. / Dies hat der Herr getan. / Ein Wunder vor unseren Augen. Ich sage: Das Reich Gottes wird euch genommen und einem Volk gegeben, das fruchtbringend ist. Wer aber auf den Stein fällt, von dem ich sprach, der wird zersplittert, und auf wen er herabstürzt, den wird er zermalmen.»
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,33-41
Hört noch ein anderes Gleichnis
Es war mal ein Mann, der einen Weinberg anlegte. Er umgab ihn mit einem Zaun, meisselte aus dem Fels eine Höhlung heraus – die Weinpresse zum Keltern der Trauben –, baute einen Wachturm und verpachtete den Berg an die Winzer. Dann verliess er das Land. Als nun die Zeit der Ernte kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um die Trauben zu holen, die ihm gehörten. Aber die Winzer hielten seine Knechte fest. Den einen verprügelten sie, der andere wurde getötet, ein dritter gesteinigt. Da schickte der Herr wiederum Knechte aus – viel mehr als zuvor –, aber auch ihnen erging es nicht besser. Schliesslich schickte der Herr seinen eigenen Sohn: ‘Ihn jedenfalls’, dachte er, ‘werden sie achten’. Doch als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: ‘Er ist der Erbe. Wir töten ihn, und sein Besitz gehört uns!’ Und dann ergriffen sie ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und ermordeten ihn. Wenn nun aber der Herr des Weinbergs kommt – was, meint ihr, wird er mit den Winzern tun?’. Sie sagten: ‘Ein böses Ende wird er den Bösen bereiten: Er wird sie töten und den Weinberg an Winzer verpachten, die ihm zur rechten Zeit seine Trauben abliefern.’
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,28-32
Was aber meint ihr zu dieser Geschichte
Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Söhne und sagte zum ersten: ‘Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg.’ Derr Sohn antwortete: ‘Ja, Herr.’ Aber er ging nicht. Da bat der Vater auch den zweiten Sohn: ‘Geh, arbeite heute im Weinberg.’ Der Sohn antwortete: ‘Nein, Herr.’ Aber später ergriff ihn die Reue, und da ging er hin. Wer von den beiden hat dem Vater gehorcht? Sie sagten: ‘Der zweite’. Jesus antwortete ihnen: «Ich sage euch, und das ist wahr: Zöllner und Huren – Habgierige! Schamlose! – kommen eher ins Reich Gottes als ihr.Johannes kam und zeigte euch den rechten Weg. Ihr habt ihm nicht geglaubt … geglaubt haben ihm nur die Zöllner und Huren. Alles lag offen zutage, und doch seid ihr nicht umgekehrt und habt ihm geglaubt.
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,23-27
Als Jesus in den Tempel ging und zu lehren begann, kamen die Grossen Priester und Mächtigen zu ihm und fragten: «Mit welchem Recht tust du dies? Wer hat dir Vollmacht gegeben?» Jesus antwortete ihnen: «Auch ich habe eine Frage an euch. Wenn ihr mir antworten könnt, will ich sagen, wer mir Vollmacht gab, so zu handeln: Johannes’ Taufe – war sie von Gott oder den Menschen?» Da überlegten sie untereinander: «Wenn wir sagen ‘von Gott’, wird er fragen: ‘Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?’, und wenn wir ‘von den Menschen’ sagen, wird das Volk über uns kommen, denn es hält Johannes für einen Propheten. Darum sagten sie zu Jesus: «Wir wissen es nicht». Und er antwortete ihnen: «Dann sage auch ich nicht, wer mir die Vollmacht gab, so zu handeln.»
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,17-22
Dann liess er sie stehen und ging aus der Stadt hinaus, nach Bethanien. Dort blieb er während der Nacht. Als er am anderen Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er einen Feigenbaum am Weg, einen einzelnen Baum, und ging auf ihn zu. Aber er fand nur Blätter an ihm. Da sagte er zu dem Baum: «Dann sollst du in Ewigkeit früchtelos bleiben!». Und der Baum vertrocknete und wurde im gleichen Augenblick dürr. Als die Schüler das sahen, ergriff sie Erstaunen: «Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren?» Jesus antwortete ihnen: «Ich sage euch, und das ist wahr: Wenn euer Glaube fest ist und ihr nicht zweifelt, könnt ihr nicht nur den Feigenbaum dürr werden lassen, sondern auch diesem Berg hier befehlen: ‘Auf! Stürz dich ins Wasser!’, und dann wird es geschehen. Alles, was ihr im Gebet erfleht, werdet ihr erhalten, wenn ihr nur glaubt.»
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,14-16
Da kamen die Blinden und Lahmen im Tempel zu ihm, und er heilte sie alle. Doch als die Grossen Priester und Schriftausleger sahen, welche Wunder er tat, und als sie die Kinder schreien hörten im Tempel: «Hosianna dem Sohn Davids», wurden sie zornig: «Hörst du nicht, was sie da rufen?» Doch Jesus antwortete ihnen: «Ich höre es gut – ihr aber, habt ihr das Wort nicht gelesen: Es war dein Wille / dass der Mund der Kinder: / Lallen und Schreien / dich preist.»
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,9-13
Als er in Jerusalem einzog, verfiel die ganze Stadt in Aufregung. Man rief «Wer ist das?» Die Leute antworteten: « Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.» Jesus aber ging in den Tempel, verjagte die Händler und Käufer und trieb sie alle hinaus. Dann stiess er die Tische der Geldwechsler um und zertrümmerte die Stände der Taubenverkäufer. «Es ist geschrieben worden», rief er aus: «’Mein Haus soll heissen: Haus des Gebets. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht, ein Versteck für die Beute!’»
Übersetzung Walter Jens 1972
Matthäus 21,6-8
Da gingen die Schüler fort und taten, was er ihnen gesagt hatte. Sie brachten die Eselin und das Füllen, und Jesus setzte sich auf die Kleider, die sie über die Tiere gelegt hatten. Die Menschen breiteten Gewänder auf die Strasse, schnitten Zweige von den Bäumen, streuten sie auf den Weg. Einige liefen voraus, andere folgten dem Zug. Und die Menge begann zu schreien und rief: Hosianna dem Sohn Davids. / Gepriesen sei, / der im Namen des Herrn kommt. / Hosianna in den Höhen der Himmel!
Übersetzung Walter Jens 1972
