''Tut um Gottes willen etwas Tapferes''

Holger Pyka würdigt neu überarbeiteten Reformierte Liturgie


© Reformierter Bund

Holger Pyka in seiner Festrede zur Vorstellung der neuen Reformierten Liturgie dazu, angesichts von Rechtsextremismus, Klimawandel und dem ''allgemeinen Wahnsinn der Welt'' mutig zu handeln.

„Tut um Gottes willen etwas Tapferes.“ Mit diesem Satz Ulrich Zwinglis würdigte Dr. Holger Pyka, Direktor des Seminars für pastorale Ausbildung in Wuppertal, in seiner Festrede bei der Vorstellung der neuen Reformierten Liturgie auf der Hauptversammlung des Reformierten Bundes in Nordhorn (24.-26. September 2026). Angesichts von Rechtsextremismus, Klimawandel und dem „allgemeinen Wahnsinn der Welt“ könne er auch heute als Ermutigung verstanden werden.

Nach fünf Jahren intensiver Arbeit konnte am Freitag die überarbeitete Fassung der Reformierten Liturgie, herausgegeben vom Reformierten Bund, erstmals bei einem Festakt in der Evangelischaltreformierten Kirche in Nordhorn vorgestellt werden. Die Reformierte Liturgie gilt als Standardwerk für die Vorbereitung reformierter Gottesdienste. Sie umfasst Gebetssammlungen sowie Anregungen für Predigten und die Gestaltung von Gottesdiensten. Ab 2021 wurde das Werk grundlegend neu erarbeitet, in einer Projektgruppe mit Vertreterinnen des deutscher Landeskirchen sowie Personen aus der evangelisch-altreformierten Kirche und aus der Schweiz. Neu aufgenommen wurden unter anderem liturgische Entwürfe für besondere Segnungsgottesdienste, etwa zur Segnung einer Transperson.

Pyka hob die Vielfalt der neuen Liturgie hervor. Die Gesellschaft sei vielfältiger und pluraler geworden; dies müsse sich auch in der Sprache des Gottesdienstes widerspiegeln. Die neue Reformierte Liturgie lasse deshalb unterschiedliche Stimmen, Erfahrungen und Gottesbilder nebeneinander stehen. Niemand solle aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder Behinderung ausgegrenzt werden. „Den Gottesdienst im Singular, den gibt's sowieso nicht“, zitierte Pyka David Plüss und Alexander Deeg. Diese Vielfalt sei auch ökumenisch bedeutsam. Die neue Liturgie greife Erfahrungen und Formen aus unterschiedlichen Teilen der weltweiten Christenheit auf.

Für Pyka kann Gottesdienst selbst ein Akt des Widerstands sein – gegen die kapitalistische Vereinnahmung aller Lebensbereiche, gegen Gleichmacherei und gegen einen ungeistlichen Aktionismus. Der Gottesdienst unterbreche das Hamsterrad von Produktion und Konsum.

Mitarbeitende bei der Überarbeitung der neuen Reformierten Liturgie betonten die enge, erfolgreiche Zusammenarbeit. Catherine McMillan, zu Beginn Pfarrerin in Zürich, mittlerweile pensioniert, lobte den ökumenischen Horizont des Projekts. In der Ökumenegruppe sei man „nicht unter uns geblieben“, sondern habe Menschen interviewt, die mit Migrationsgemeinden partnerschaftliche Gottesdienste feiern. So seien Erfahrungen und Perspektiven eingeflossen, die über die eigene kirchliche Praxis hinausweisen.

Fabian Brüder, Pfarrer der Evangelisch-reformierten Selbstständigen Gemeinde Dresden, konnte nach eigener Aussage durch die Mitarbeit am Projekt seinen Blick auf den Gottesdienst erweitern. Liturgie müsse Raum geben für unterschiedliche Erfahrungen und Ausdrucksformen: „Es braucht Raum für Klage und für Wut. Es braucht Raum für Information, für Stille, für Segen und Zuspruch – für all das, was Liturgie ausmacht.“


RB
24.-26. September 2026, Paul-Gerhardt-Straße 2, Nordhorn

Die Hauptversammlung steht unter dem Thema „Recht und Rechtsstaatlichkeit aus reformierter Perspektive". Vor Ort wird in einem Festakt außerdem die neubearbeitete Reformierte Liturgie, ein Standardwerk zur Gestaltung reformierter Gottesdienste, vorgestellt.