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Viele Töne gegen den Hass
'Musikalisch-politisches Manifest' in der Christuskirche stieß auf großes Interesse

Mehr als vier Stunden haben 17 Musikgruppen und Einzelkünstler ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt und sich mit Poetry-Slam, Klassik, Jazz und Weltmusik für eine vielfältige, tolerante Gesellschaft und Solidarität mit Geflüchteten engagiert. Musikbeiträge und politische Statements reichten sich im musikalisch-politischen Manifest die Hand. Die Lippische Landeskirche, Buchhandlung 'Kafka & Co.', ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-West, Das Dach e.V. und der Eine-Welt-Laden Alavanyo luden in die Christuskirche und 800 Gäste kamen. Die Stadt Detmold unterstützte die Veranstaltung finanziell.
Das Duo „Angata“, was in Burkina Fasu „Aufstehen!“ bedeutet, stimmte mit Klavier und Geige besinnliche Stücke an. Sascha Schmittutz vom Projekt „NRWeltoffen“ des Kreises Lippe trat für eine friedvolle Gesellschaft ohne Extremismus und Rassismus ein. Mit Kontrabass (Kevin Hemkemeier), Loopgerät und Stimme (Mylène Kroon) ließ das Duo „ZATIE“ atmosphärischen Jazz erblühen. Poetry-Slammer Marc Schuster sorgte für Humor mit der Anekdote über seine Katze, die keine Wörter mit „SS“ wie Hass mag.
„Es ist kalt geworden in Deutschland“ begrüßte Flüchtlingspfarrer Dieter Bökemeier die Gäste. Hass und Hetze würden immer salonfähiger, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit bewusst geschürt. Die Entsolidarisierung gegenüber Geflüchteten habe zugenommen. Aber es sei sehr ermutigend, so viele Menschen zu sehen, die sich in Lippe für ein weltoffenes und humanes Miteinander engagierten.
Prof. Matitjahu Kellig, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold und emeritierter Klavierprofessor, warnte vor anwachsendem Antisemitismus. Hass münde immer in Gewalt. Die AfD spalte die Gesellschaft. Gauland verharmlose die Zeit des Nationalsozialismus und Höcke verunglimpfe Holocaustgedenkstätten. Am Flügel ließ Kellig ein Werk des israelischen Komponisten Ben Zion Orgad mit dem Adagio d-Moll von Marcello zusammenfließen und zeigte, wie sich Musikstile verschiedener Kulturen und Jahrhunderte beeindruckend befruchten.
Johanna Gramlich von der Flüchtlingshilfe Lippe verdeutlichte die Situation asylsuchender Frauen, die aus Balkanländern geflüchtet seien, nachdem sie in ihrer Heimat wie Handelsware behandelt würden. Aber selbst aus Krankenhäusern und der geschlossenen Psychiatrie würden heute Menschen aus Deutschland abgeschoben. Erfan Amiri aus Afghanistan sang gefühlvoll selbstgeschriebene Lieder an der Gitarre. Henry Klarholz von „Sea Eye“, als Seenotretter im Mittelmeer tätig, klagte an, dass immer mehr Menschen ertrinken, weil Privatschiffen seit Juli die Seenotrettung verboten wurde. Ayda Agwa (Gesang) und Manami Honda (Klavier) bannten mit klassischem Gesang und einem Stück der Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“. Patrick Hellenbrand, Schauspieler am Landestheater Detmold, interpretierte den Beatles-Song „Imagine“ und „Freiheit von Georg Danzer. Die zahlreichen Beiträge bedachte das Publikum mit viel Applaus und trug durch eine Kollekte zur Finanzierung der Sachkosten des Konzertes bei. Auf eine Gage hatten alle Künstler verzichtet.
Quelle: EKiR


